Nett sein reicht nicht – warum Positive Leadership Führung an bayerischen Grund- und Mittelschulen wieder wirksam macht
Hör endlich auf, nett zu sein,…
Aber der Satz ging noch weiter… und dann hörte ich hin.
Hör endlich auf, nett zu sein, wenn du mehr Ergebnisse sehen willst. So fing es an ...
Die Anforderungen an Führung waren selten so hoch wie heute. Gerade im schulischen Kontext treffen steigen der Druck, Personalmangel und wachsende Erwartungen an Menschlichkeit aufeinander. Viele Führungskräfte reagieren darauf mit einem Ansatz, der gut gemeint ist. Doch dieser bleibt oft wirkungslos, denn sie versuchen vor allem „nett“ zu sein. Hier liegt genau das Problem! Freundlichkeit allein schafft keine Orientierung. Und ohne Orientierung entsteht zunehmend mehr Unsicherheit.
Die unbequeme Wahrheit: nett ist nicht gleich wirksam
Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Klarheit, Struktur und Verlässlichkeit zu suchen. Fehlen diese Faktoren, dann entsteht Stress in Körper und Geist. Eine Führungskraft, die Konflikte vermeidet, Entscheidungen über einen längeren Zeitraum hinauszögert oder unangenehme Gespräche umgeht, sendet an seine Mitarbeiter ein Signal der Unsicherheit. Dies passiert trotzdem, auch wenn die Führungskraft es mit besten Absichten tut. Eine Konsequenz ist, dass das Team sich nicht wirklich geführt fühlt.
Wertschätzung ohne Klarheit erzeugt keine Motivation. Damit verstärkt die Führungskraft vielmehr die Ambiguität und damit genau das, was viele Systeme heute ohnehin belastet. Wirksame Führung bedeutet deshalb nicht besonders angenehm zu sein, sondern Orientierung im Alltag zu geben.
Positive Leadership ist mehr als ein Wohlfühlkonzept
Positiv Leadership ist ein wissenschaftlich fundierter Ansatz. Er fokussiert nicht auf Harmonie, sondern auf nachhaltige Wirksamkeit. Im Kern geht es bei diesem Ansatz darum, Leistung, psychische Gesundheit und Sinn miteinander zu verbinden.
Wichtig ist hierbei, dass zentrale Probleme nicht ausgeblendet werden, sondern weiterhin aktiv bearbeitet werden. Dabei ist der wesentliche Fokus darauf gelegt, dass die Ressourcen mobilisiert werden und eine kontinuierliche Entwicklung stattfindet. Ein Rahmen für diesen Ansatz bietet das sogenannte PERMA-Modell mit seinen fünf Hebeln. Das PERMA-Modell ermöglicht nachhaltig eine wirksame Führung.
Emotionen steuern anstelle von ihnen gesteuert zu werden
Führungskräfte prägen die emotionale Atmosphäre eines Unternehmens und Teams stärker, als ihnen oft bewusst ist. Ihre innere Haltung überträgt sich unmittelbar auf das Team. Diese grundsätzliche Haltung bedeutet nicht, dass die Führungskraft ständig positiv sein muss. Es bedeutet aber viel mehr, dass die Führungskraft die Situation stets einschätzt sollte und damit eine bewusste emotionale Einordnung für die Mitarbeiter ermöglicht. Häufig kann ein einfacher Satz zu Beginn einer angespannten Besprechung bereits den Unterschied machen. Damit wird nicht das Problem gelöst, aber es wird in einem Gesamtkontext eingeordnet.
Engagement entsteht durch optimale Passung
Im Allgemeinen sind Menschen dann engagiert und begeistert, wenn ihre Stärken genutzt werden. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass es nicht ein einmaliges Ereignis ist, sondern regelmäßig ihre Stärken genutzt werden. Die Herausforderung der Führungskraft liegt darin, den Rahmen dafür zu ermöglichen, ohne die Führung aus der Hand zu geben. Stärkenorientierung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Beliebigkeit, sondern die gezielte Zuordnung eine Aufgabe zu Menschen mit diesen besonderen Fähigkeiten. Eine gute Führung stellt deshalb nicht nur Aufgaben, sie stellt die richtigen Fragen zu den Kompetenzen. Erst wenn der Mitarbeiter seine Fähigkeiten ausspielen kann, fühlt er sich motiviert und gesehen.
Nachhaltige Beziehung braucht Verlässlichkeit
Ein häufiges Missverständnis ist, dass gute Beziehung nur durch Nähe entstehen. Tatsächlich ist das vollkommen anders. Eine gute Beziehung zwischen Vorgesetzten und dem Mitarbeiter entsteht dann, wenn Handlungsweise der Führungskraft vorhersagbar wird. Teams vertrauen Führungskräften immer mehr, wenn sie wissen, woran sie sind. Entscheidungen sind durch die Führungskraft klar und nachvollziehbar zu kommunizieren. Fehler und falsche Einschätzung sollten mit Begründung ebenso offen angesprochen werden dürfen. Psychologisch bedeutet dieses, dass ein sicherer Raum geschaffen wird, in dem alles diskutiert und gesagt werden kann und darf.
Mehr Sinn entsteht durch Klarheit
Unternehmen oder Organisationseinheit geben oft ein Leitbild aus. Doch diese Leitbilder allein motivieren niemanden. Der Sinn entsteht erst dann, wenn Entscheidungen und konsequentes Handeln verständlich eingeordnet werden können. Gerade in der aktuellen Zeit ist dies umso wichtiger. Die Welt zeigt sich als fragil und brüchig mit zunehmender Ängstlichkeit und nichtlinearen Effekten. Das ist für manche unbegreiflich. Dieses wird in dem Akronym BANI (brittle, anxious, non-linear, incomprehensible) als weiterentwickelten Form der VUCA-Welt ausgedrückt. In dieser Welt ist es wichtig, dass die Führungskraft nicht nur erklärt, was getan werden muss, sondern vor allem, warum es getan werden muss. Eine ehrliche Aussage der Führungskraft wird stärker geschätzt als das Schönreden von Sachverhalten.
Leistung muss öffentlich sichtbar sein
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Anerkennung. Ohne sichtbaren Abschluss bleibt selbst große Leistung emotional wirkungslos. Das Gehirn benötigt Signale eines klaren Erfolges. Alles, was positive Gefühle hervorruft, motiviert das Gehirn, davon noch mehr haben zu wollen. Auf diesem Weg wird dann auch über eine längere Dauer die Motivation aufrechterhalten. Entscheidend ist dabei nicht die Häufigkeit der motivierenden Maßnahme, sondern die Qualität, wie konkret, zeitnah und nachvollziehbar die Leistung anerkannt wird.
Führung muss klar und deshalb menschlich sein
Positive Leadership ist kein zusätzlicher Anspruch in einem ohnehin überlasteten System oder Unternehmen. Es ist für alle vielmehr eine Entlastung. Dieser Ansatz ersetzt Unsicherheit durch eine klare Struktur. Und blinder Aktionismus wird durch gezielte Wirksamkeit ersetzt. Hier zeigen sich vor allem gute Führungskräfte aus, die nicht vor Konflikten und Herausforderungen scheuen. In den aktuellen Zeiten zeichnet sich die Führungskraft durch eine klare, respektvolle und lösungsorientierte Führung aus. Wer das versteht, gewinnt nicht nur mehr Vertrauen im Team, sondern gewinnt an Ansehen und echte, nachhaltige Wirkung.
Mehr Informationen gibt es beim Herausgeber der Zeitschrift "Die Schulleitung", dem Bayerischer Schulleitungsverband, https://bsv-bayern.info/ oder fachlich bei Dr. Rolf Kluge, info@drrolfkluge.com.

